PARNASS

March 10, 2016

 

 

TANZ IN DER KUNST. Eine Frage der Bewegung in zwei unterschiedlichen Ansätzen

Angelika Seebacher

 

 

MARKUS SCHINWALD - Tanz als zusätzliche Abstraktion

 

 

LUIS CASANOVA SOROLLA – Sichtbar machen des Unsichtbaren
 

In völlig unterschiedlicher Weise integriert Luis Casanova Sorolla (*1984 in Lima, Peru) den Tanz als elementaren Bestandteil in sein Werk. Der zur Zeit in Wien lebende Künstler begann bereits mit neun Jahren während seiner Schulzeit eine Ausbildung in klassischer Malerei. Parallel dazu entwickelte er eine mindestens ebenso starke Faszination für den Tanz, zuerst für peruanische Folklore bis er mit dreizehn Jahren anfing, Capoeira zu lernen. Für seine aktuelle Werkserie „Signapura“ – zuletzt gezeigt in einer Einzelausstellung in der Wiener Galerie bäckerstrasse4 – lässt er Tänzer, u.a. des Wiener Staatsopernballetts, auf großformatigen, mit Farbpigmenten bestäubten Papierflächen tanzen. Durch die Fußspuren der Tänzer werden die Pigmente ins Papier gedrückt, ihre Bewegungen somit „festgehalten“. Es entstehen überdimensionale abstrakte Bilder, von denen Sorolla Reproduktionen anfertigen lässt, wobei all die Hinweise auf Sprünge, Pirouetten oder Schritte meist erst auf den zweiten Blick erkannt werden. Ebendiese Schnittstelle zwischen dem Kunstwerk als autonomem Bild und als Relikt einer performativen, ephemerischen Handlung macht das eigentliche Charakteristikum Sorollas faszinierender Arbeit aus. „Signapura“ entstand zunächst aus der Idee heraus, klassische Balletttänzer, die ja normalerweise ganz genaue Choreographien befolgen müssen, improvisieren zu lassen. Sorolla gab den Tänzern hierbei keinerlei Anweisungen, vielmehr ging es ihm darum, den unberührten „magischen Moment“ des Tanzes einzufangen und als „pure Signatur, als Signatur des Selbst, aller Gedanken - das ganze Paket“ auf Papier zu verewigen. In einem nächsten Schritt entstanden Sorollas sogenannte „Choreography Diagrams“ – wie z.B. „Pas de Quatre“ aus dem Ballett Schwanensee oder „Herzblume“, eine 60m2 große Papierinstallation – welche der Künstler als „Langzeitbelichtungen der jeweiligen Ballettchoreographie“ versteht. Hierbei lässt er gleich ganze Ensembles tanzen und fertigt zudem in Kooperation mit einer Filmproduktionsfirma ein Video der Tanzperformance an. Die Vorbereitungen pro „Diagramm“ belaufen sich auf ein bis zwei Monate, das Bild selbst entsteht in wenigen Minuten, wobei der ganze Schaffensprozess aber zum letztlichen Werk dazugehöre. Sorolla geht es dabei vor allem darum, das Unsichtbare, gleich „Zeichnungen einer Choreographie“, sichtbar zu machen: „Es existiert schon, ich lasse es nur erscheinen, ich bin nur das Instrument.“

 

 

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